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Charlott Nicole Maas

Alles Schrott oder was?

Um die Banken zu retten, präsentierte US-Finanzminister Timothy Geithner einen neuen  Plan. Private Investoren sollen Schrottanleihen, die in den Bilanzen der Banken schlummern, auf einer Auktion ersteigern können. Als Geithner seinen Plan schmiedete, muss er sich auf seine deutschen Vorfahren besonnen haben, stammt das Wort Schrott doch aus der niederrheinischen Mundart. Wie Wikipedia uns lehrt,  kennzeichnet Schrott im umgangssprachlichen Sinn unnütze Dinge, deren Wert als viel zu hoch angesehen wurde. Mit der Globalisierung erfuhr der Schrott weltweit eine Renaissance. Schrottsammler verdienten sich auf dem Schrottmarkt eine goldene Nase, an Börsen wurden Schrottpapiere vergoldet und Bankenchefs königlich für schrottreife Leistungen entlohnt. Die Kunde des neuen goldenen Schrottzeitalters verbreitete sich sogar bis ins Weltall. Dort schossen  Astronauten der ISS zur Feier der neuen Ära einen ausgedienten Ammoniakschrank in den Orbit. Und während dieser als goldener Leitstern vom Himmel auf die staunenden Erdenbürger hinableuchtete, prophezeiten die Wirtschaftsweisen, dass sich schon bald Schrott in Gold verwandeln lasse. 

Leider trat die Prophezeiung nicht ein. Der goldene Leitstern leuchtet nicht mehr am Himmel, sondern kreist seit geraumer Zeit auf seiner Umlaufbahn einsam und mausgrau als Schrott um die Erde. Weltraumschrott bedroht die ISS, und heute will kein Mensch den ganzen Schrott mehr haben. Schrottpapiere sollen in Schrottbanken ausgelagert werden und Boerse.ARD.de titelte: „Schrott geht gut“. Schrottpressen erleben Hochkonjunktur und in der Schrott-Presse stehen Tipps, wie man Schrott-Autos loswird. Ganze € 2.500 Verschrottungsprämie bietet die Regierung für unsere eigentlich noch fahrtauglichen Autos. Und während ganz Deutschland seit Reich-Ranickis Kritik am Fernsehen rätselt, welchen Wert Schrott-TV denn überhaupt noch hat, fragt sich der Rest der Welt, wie man sich von all dem Schrott befreien kann.

Diese Gedanken müssen auch den US-Finanzminister bewegt haben. Seine Idee, Schrottanleihen auf einer Auktion anzubieten, ist dabei gar nicht schlecht. Wieso versteigert er sie nicht einfach auf eBay? Zurzeit gibt es da für eine Tonne Schrott ganze € 70,00 und damit bares Geld. 

 
Mai 2009